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Schleifen von Holz

Auf den folgenden Seiten werde ich meine Vorgehensweise und die von mir verwendeten Werkzeuge zum Schleifen von Holzoberflächen vorstellen. Natürlich gibt es viele weitere Methoden, Werkzeuge und Schleifmittel, deren Einsatz ebenso möglich ist. Da ich selbst diese jedoch nicht einsetze werden sie in diesem Artikel auch nur am Rande erwähnt.

Inhalt:

Das Schleifen ist keine Erfindung der Neuzeit. Bereits die alten Ägypter kannten diese Technik. Sie verwendeten Schachtelhalm als Schleifmittel. Später verwendete man dann Bimsmehl, Bimsstein und auch Sand zum Glätten der Oberflächen. Somit gehört das Schleifen durchaus zu den traditionellen Techniken in der Holzbearbeitung. In der heutigen Zeit sind Schleifmittel wie Schleifpapier oder Schleifvlies Hightech Produkte und haben mit dem Schmirgelpapier (Schmirgel ist ein Gemenge aus Korrund, mit Magnetit, Hämatit und Quarz als natürliches Gesteinsvorkommen) zwar noch viel Ähnlichkeit, Die Qualität und die Herstellungsverfahren haben sich jedoch stark gewandelt.

Schleifen gehört zu den Tätigkeiten, die auf den ersten Blick sehr einfach aussehen, aber bei genauer Betrachtung doch sehr komplex sein können. Das Schleifen einer Holzoberfläche ist der erste Schritt bei der Oberflächenbehandlung eines Werkstückes. Hier gemachte Fehler können bei der folgenden, beschichtenden Oberflächenbehandlung nicht wieder korrigiert werden.

Von vielen Holzwerkern wird das Schleifen als eine lästige, aber notwendige Tätigkeit angesehen. Aufgrund dessen bietet der Handel viele verschiedene Maschinen, Hilfsmitteln und Schleifmitteln an, die es dem Anwender erleichtern sollen diese Tätigkeit schnell und einfach zu erledigen. Diese Vielzahl an Werkzeugen verleitet daher auch dazu, für jede einzelne Tätigkeit eine Maschine oder ein Werkzeug anzuschaffen. Es ist demnach nicht verwunderlich, dass sich in mancher Werkstatt ein großer Maschinenpark angesammelt hat, der nur dazu dient die Schleifarbeit zu erledigen. Im Grunde genommen bedarf es aber nur wenigen Maschinen und Werkzeugen, um eine gut geschliffene Holzoberfläche zu erzeugen.

Schleifen vs. Hobeln

Eine gehobelte Oberfläche ist besser, als eine geschliffene Fläche. Dies hört und liest man sehr oft. Grundsätzlich stimmt diese Aussage auch. Dennoch bin ich persönlich der Meinung, dass letztenendes viele Faktoren die Qualität einer fertig behandelten Holzoberfläche beeinflussen. Ob gehobelt oder geschliffen ist hierbei nur einer von vielen.

Der Zerspanungsvorgang beim Schleifen entspricht einem Abtrennen von Holzfasern mit unterschiedlichen Schnittwinkeln. Da die Schleifkörner unregelmäßig sind, entsteht ein unregelmäßiger Schneidvorgang. Teile der Holzfasern werden durch die scharfen Kanten der Schleifkörner abgetrennt. Dieses Abtrennen geschieht nicht wie bei einer gut geschärften Klinge, die einen langen Span abhebt. Der Schneidvorgang nimmt nur sehr kurze Faserteile ab, den Schleifstaub. Der Schnitt ist nicht glatt, sondern eher "gerissen". Vergleichen könnte man dies mit einem Blatt Papier, dass man zum Einen mit der Schere zerschneidet (scharfe Klinge) und einem Blatt, dass zerrissen wird (Schleifpapier) Je feiner man nun reißt, je geringer wird der Unterschied zum Scherenschnitt.

Die geschnittene, also gehobelte Oberfläche hat meist eine bessere Tiefenwirkung, die Maserung kommt schöner zum Vorschein, die Fläche bekommt bereits ohne den Auftrag von Öl, Wachs oder Lack einen natürlichen Glanz. Eine geschliffene Fläche hingegen ist matter, die Tiefenwirkung der Maserung ist etwas geringer. Dies ist ein Umstand, der nicht abgestritten werden kann. Dennoch kann sich dies bei der folgenden Oberflächenbehandlung durch Beizen, Lackieren, wachsen oder Ölen aufheben. Es gibt sogar Fälle, bei denen sich eine eine gehobelte Oberfläche als schlechter erweisen kann, als eine geschliffene. Dies ist der Fall, wenn das Oberflächenmittel tief ins Holz einziehen soll. Ein solcher Fall ist das Behandeln von Holz für den Aussenbereich, bei dem holzschützende Mittel in die Faser eindringen sollen.

Bei der Oberflächenbehandlung reagieren geschliffene und gehobelte Oberfläche nicht gleich. Die geschliffene Fläche nimmt die Oberflächenmittel (Öl, Lack, Beize etc.) anders auf, als eine gehobelte Fläche. Daher kann es zu optischen Unterschieden kommen, wenn an einem Möbelstück geschliffene und gehobelte Oberflächen vorkommen. Besonders groß wird der Unterschied beim Beizen sichtbar werden.

Ob man einen Unterschied zwischen einer gehobelten und einer geschliffenen Oberfläche erkennt ist auch von der Qualität der geschliffenen Oberfläche abhängig. Beim Schleifen beeinflussen viele Faktoren und Kleinigkeiten die Qualität des Ergebnisses. Eine wirklich gut geschliffene Oberfläche, ist Nach der Oberflächenbehandlung nicht, oder kaum von einer gehobelten Fläche zu unterscheiden.

Des weiteren gibt es Hölzer, die sich nur mit sehr großem Aufwand mit dem Hobel putzen lassen, da sie einen zu unregelmäßigen Wuchs haben, dreh- oder wechelwüchsig sind. Dies führt im ungünstigsten Fall zum einreißen der Holzfasern und nicht mehr zu reparierenden Beschädigungen. Beim Schleifen besteht diese Gefahr nicht.

Stationäre Schleifmaschinen

In diesem Artikel schneide ich das Thema "stationäre Schleifmaschinen" nicht an. Dies hat in erster Linie den Grund, dass ich selbst keine solchen Maschinen einsetze und daher keine Anwendungsbeispiele zeigen kann. Des weiteren sind solche Maschinen in wesentlich weniger Hobbywerkstätten zu finden, als die im Artikel beschriebenen, handgeführten Maschinen.

Für sehr ambitionierte Hobbyanwender mit entsprechendem Platzangebot gibt es allerdings auch kleine Ausführungen der in Tischlereien üblichen Stationären Schleifmaschinen. Das Angebot umfasst Kantenschleifmaschinen, Walzenschleifmaschinen und sogar kleine Langbandschleifmaschinen.

Für den Hobbyanwender bieten sich aber auch kleine Tellerschleifer, oft in Kombination mit einem Schleifband als Tischgeräte an. Aber auch ein Bohrständer mit einer Schleifscheibe, Schleiftrommel oder einem Fächerschleifer kann sehr gute Dienste leisten. Besonders letzterer wird, was die Möglichkeit des Schleifens angeht sehr oft unterschätzt.

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